Sport verbindet
Hella Rosenbrock über ihre Arbeit als Geschäftsführerin des Kreissportbundes
Hella Rosenbrock und ich kennen uns bereits seit einigen Jahren. Unsere erste Begegnung hatten wir bei einer Übungsleiterausbildung des Kreissportbundes Rotenburg Wümme, die sie leitete. Heute führt mich meine Rubrik „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ erneut zu ihr – diesmal in die Geschäftsstelle des Kreissportbundes. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Sonja Holsten, die sich mit großem Engagement um den Bereich Sportstättenbau kümmert, sorgt sie hier dafür, dass der organisierte Sport im Landkreis Rotenburg funktioniert. „Einen typischen Arbeitstag gibt es eigentlich gar nicht“, sagt Hella Rosenbrock gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Und genau dieser Satz beschreibt ihre Arbeit wohl am besten. Mal berät sie Vereine bei Satzungsfragen, mal organisiert sie Aus- und Fortbildungen für Übungsleiterinnen und Übungsleiter, bereitet Ehrungsveranstaltungen vor oder tauscht sich mit dem Landessportbund aus. Dann stehen wieder Förderanträge, Sportgeräte oder ganz andere Themen auf dem Programm. Jeder Tag ist anders – und genau das gefällt ihr. Dass sie einmal Geschäftsführerin des Kreissportbundes werden würde, war allerdings nie ihr Plan. Eigentlich wollte sie Berufsschullehrerin werden und Sport unterrichten. Doch das Leben hatte andere Pläne. Als sich Anfang der 1990er-Jahre die Möglichkeit ergab, in die Geschäftsstelle des Kreissportbundes zu wechseln, griff sie zu. Eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bereut hat. Bereits seit 1983 arbeitet sie für den Kreissportbund – zunächst als Sportlehrkraft, später in der Geschäftsstelle und heute als Geschäftsführerin. Während wir sprechen, wird schnell deutlich: Hella Rosenbrock erzählt nicht gern von sich selbst. Viel lieber spricht sie über die Vereine, die Menschen dahinter und das Ehrenamt. Immer wieder fällt das Wort „wir“. Gemeint sind damit nicht nur ihre Kolleginnen und Kollegen, sondern die gesamte Sportfamilie im Landkreis – die vielen Ehrenamtlichen, Trainerinnen und Trainer, Vorstände und Übungsleiter, die Woche für Woche dafür sorgen, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihrem Sport nachgehen können. Dabei kennt Hella Rosenbrock den Vereinssport nicht nur aus ihrem Berufsalltag. Er begleitet sie schon ihr ganzes Leben. Bereits mit 14 Jahren engagierte sie sich als Helferin, später folgten zahlreiche Ausbildungen. Volleyball, Leichtathletik und Turnen gehörten viele Jahre zu ihrem Leben. Auch heute kann sie sich ein Leben ohne Bewegung kaum vorstellen. Zwar machen ihr gesundheitliche Einschränkungen manches schwerer als früher, doch sie fährt regelmäßig Fahrrad, geht im Winter gerne Ski fahren und würde auch Tennis gerne wieder öfter spielen. Man spürt sofort: Sport ist für sie keine Pflicht – er gehört einfach zu ihrem Leben. Ihre Aufgaben sind so vielfältig wie die Vereine selbst. Gemeinsam mit ihrem Team ist sie Ansprechpartnerin für 276 Vereine und mehr als 82.000 Mitglieder. Sie organisiert Aus- und Fortbildungen, begleitet Ehrungsveranstaltungen, berät bei Satzungsfragen oder Fördermöglichkeiten und unterstützt Vereine bei den unterschiedlichsten Anliegen. Unterstützt wird sie dabei von Sonja Holsten, die sich insbesondere um den Bereich Sportstättenbau kümmert und Vereine bei Bau- und Sanierungsprojekten begleitet. Die beiden arbeiten Hand in Hand und sind für viele Vereine im Landkreis wichtige Ansprechpartnerinnen.
Fast noch mehr als über den Sport, spricht Hella Rosenbrock über die Menschen. Besonders über diejenigen, die sich ehrenamtlich engagieren. Sie weiß, dass viele Vereine händeringend nach Übungsleiterinnen, Vorstandsmitgliedern oder Trainerinnen suchen. Gleichzeitig erlebt sie aber auch jeden Tag, wie viel Herzblut in den Vereinen steckt. Menschen investieren ihre Freizeit, organisieren Veranstaltungen, trainieren Kinder oder übernehmen Verantwortung – oft über viele Jahre hinweg. Für Hella Rosenbrock ist dieses Engagement alles andere als selbstverständlich. Einer ihrer Sätze bringt ihre Haltung auf den Punkt: „Ich opfere meine Zeit nicht – ich spende sie.“
Seit mehr als vier Jahrzehnten erlebt sie, wie sich die Vereinslandschaft verändert hat. Früher wurden Anträge persönlich vorbeigebracht, vieles lief auf Papier, später über Disketten und heute digital. Videokonferenzen gehören inzwischen ebenso zum Alltag wie Online-Portale. Gleichzeitig sind die Anforderungen an die Vereine gestiegen, die Bürokratie ist umfangreicher geworden und viele Abläufe komplexer. Trotzdem ist für Hella Rosenbrock eines unverändert geblieben: Der persönliche Kontakt ist durch nichts zu ersetzen. Sie beschreibt sich selbst schmunzelnd als „Präsenztante“. Sie fährt lieber zu den Vereinen, spricht mit den Menschen und sucht gemeinsam nach Lösungen, als alles ausschließlich digital abzuwickeln. Auch die Aus- und Fortbildung von Übungsleiterinnen und Übungsleitern liegt ihr besonders am Herzen. Jahrzehntelang hat sie Lehrgänge organisiert und begleitet. Umso nachdenklicher stimmt sie, dass sich in diesem Jahr erstmals weniger Menschen für die Ausbildung angemeldet haben. Woran das genau liegt, lässt sich noch nicht sagen. Gleichzeitig freut sie sich darüber, dass die Fortbildungen weiterhin gut angenommen werden. Für sie ist klar: Gut ausgebildete Übungsleiterinnen und Übungsleiter sind ein wichtiger Baustein für starke Vereine.
Während unseres Gesprächs, schweifen wir immer wieder ab. Wir sprechen über Kinderturnfeste, über Fußball, über Vereine, die sich verändern, und über neue Sportarten. Als das Gespräch auf das Kinderturnfest in Klein Meckelsen kommt, merkt man sofort, dass Hella Rosenbrock solche Veranstaltungen am Herzen liegen. Sie erinnert sich daran, wie selbstverständlich solche Feste früher zum Vereinsleben gehörten und wie schön es ist, wenn Kinder gemeinsam spielen, sich bewegen und erste sportliche Erfahrungen sammeln. Auch ich denke dabei an die Kinderturnfeste zurück, die ich mit meinen eigenen Kindern besucht habe – an einen Tag voller Bewegung, Gemeinschaft und fröhlicher Gesichter. Umso mehr bedauert Hella, dass manche Veranstaltungen heute nicht mehr die Resonanz bekommen, die sie verdienen. Gleichzeitig freut sie sich über jeden Verein, der neue Ideen entwickelt und Traditionen am Leben erhält.
Immer wieder muss Hella schmunzeln. Etwa als wir über neue Trendsportarten sprechen. Nicht alles wäre ihre eigene Sportart, sagt sie mit einem Lächeln. Doch urteilen möchte sie darüber nicht. Ihr ist wichtig, dass Menschen Freude an Bewegung haben – ganz gleich, ob beim Volleyball, Bogenschießen oder bei ganz neuen Bewegungsangeboten. Diese Offenheit, zieht sich durch unser gesamtes Gespräch und macht deutlich, worum es ihr wirklich geht: Menschen in Bewegung zu bringen und Gemeinschaft zu schaffen. Beeindruckend ist auch, wie viel Wertschätzung sie den Vereinen entgegenbringt. Für sie sind sie weit mehr als Orte, an denen Sport getrieben wird. Hier entstehen Freundschaften, Gemeinschaft und oft ein Gefühl von Heimat. Gerade Menschen, die neu in eine Region ziehen, rät sie, sich einem Verein anzuschließen. „Wenn man Anschluss finden möchte, sollte man in einen Verein gehen“, sagt sie überzeugt. Dort komme man schnell mit anderen ins Gespräch und werde Teil einer Gemeinschaft.
Auf meine Frage, wann sie zuletzt mit Bauchschmerzen zur Arbeit gefahren sei, muss Hella Rosenbrock kurz überlegen. Dann lächelt sie und schüttelt den Kopf. „Eigentlich nie.“ Nach mehr als 40 Jahren im selben Beruf, ist das eine bemerkenswerte Antwort. Sie zeigt, dass Arbeit für sie weit mehr ist als ein Arbeitsplatz – sie ist Berufung und Herzensangelegenheit.
Als ich die Geschäftsstelle verlasse, bleibt mir vor allem eines in Erinnerung: Hella Rosenbrock hat in unserem Gespräch kaum über sich selbst gesprochen. Viel lieber erzählte sie von den Vereinen, den Ehrenamtlichen und den Menschen, die Woche für Woche dafür sorgen, dass der Sport im Landkreis lebt. Sie steht selten im Mittelpunkt – sorgt aber jeden Tag dafür, dass andere ihren Platz finden. Ob auf dem Fußballplatz, in der Turnhalle, beim Kinderturnen oder in einer Seniorensportgruppe.
Seit mehr als vier Jahrzehnten begleitet sie den organisierten Sport im Landkreis mit großer Verlässlichkeit und echter Begeisterung. Und genau deshalb passt sie so gut an den Ort, an dem sie seit 1983 arbeitet.


