Palmenverleih Kretschmann

Unter Palmen zu Hause

Was Horst Kretschmanns Alltag zwischen mediterranen Pflanzen, großen Veranstaltungen und Weihnachtsmärkten so besonders macht 

Als ich mit dem Fahrrad auf den Hof in Marschhorst fahre, wartet Horst Kretschmann bereits zwischen seinen Palmen auf mich. Neben ihm steht ein freier Stuhl. Der Treffpunkt könnte kaum besser gewählt sein. Das Zuhause, das er mit seiner Lebensgefährtin Franziska Kock und Sohn Leif bewohnt, ist von einem liebevoll gestalteten „Beach“ umgeben. Palmen, mediterrane Pflanzen und Sand verleihen dem Garten ein fast südliches Flair. Wer hier Platz nimmt, vergisst schnell, dass die Nordsee näher ist als das Mittelmeer.

Ich kenne Horst seit vielen Jahren. Wer ihm begegnet, merkt schnell: Er nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Seine direkte Art, sein trockener Humor und seine Fähigkeit, Geschichten lebendig zu erzählen, machen jede Unterhaltung mit ihm kurzweilig.

„Horst, was machst du eigentlich den ganzen Tag?“, frage ich. Er lacht.

„Das kommt darauf an, welchen Tag du erwischst.“

Und schon beginnt eine Reise durch ein Berufsleben, das kaum abwechslungsreicher sein könnte.

Nach der Übernahme der elterlichen Gärtnerei stand Horst früh vor der Frage, wie er sich gegen die Konkurrenz behaupten konnte. Auf dem Hamburger Großmarkt waren die Preise niedrig, die Margen klein. Also suchte er seinen eigenen Weg – und fand ihn zunächst auf Jahrmärkten.

„Ich war früher Marktschreier“, erzählt er und grinst.

Dort verkaufte er Blumen nicht nur mit Fachwissen, sondern auch mit Witz und einer ordentlichen Portion Unterhaltung. Als er bemerkte, dass holländische Blumenhändler bei den Kunden besonders beliebt waren, brachte er sich kurzerhand einen holländischen Akzent bei und schlüpfte in die Rolle des „fliegenden Holländers“. Die Menschen blieben stehen, lachten – und kauften. Sogar als Double von Rudi Carrell wurde er einmal angesprochen.

Rückblickend wirkt diese Zeit wie der Beginn dessen, was Horst bis heute auszeichnet: Ideenreichtum, Mut, Dinge einfach auszuprobieren und die Fähigkeit, Menschen zu begeistern. Eigenschaften, die ihn schließlich auf eine Reise nach Spanien führten – und den Grundstein für den heutigen Palmenverleih legten.

Was mit einer Fahrt in den Süden begann, entwickelte sich über viele Jahre zu einem Unternehmen, das heute weit über die Region hinaus bekannt ist. Der Betrieb in Freetz ist längst zur Heimat tausender Pflanzen geworden – von Palmen über Olivenbäumen bis hin zu mediterranen Kübelpflanzen.

Mit den Jahren wurden aus einzelnen Aufträgen regelmäßige Einsätze. Heute schmücken die Pflanzen Festivals, Firmenveranstaltungen, Filmpremieren, den Circus Roncalli, den Hamburger Dom und viele weitere Veranstaltungen im ganzen Bundesgebiet.

„Mundpropaganda ist die beste Werbung“, sagt Horst. Wer einen zuverlässigen Partner sucht, empfiehlt ihn weiter. Genau so ist der Betrieb gewachsen – nicht durch große Werbekampagnen, sondern durch zufriedene Kunden.

Eigentlich wollte ich wissen, wie ein ganz normaler Arbeitstag aussieht. Doch schnell wird klar: Einen normalen Tag gibt es bei Horst kaum. Der Jahreslauf bestimmt den Rhythmus.

Im Frühjahr erwachen die Pflanzen aus ihrem Winterquartier. Sie werden gepflegt, geschnitten und auf die neue Saison vorbereitet. Danach beginnt die Zeit der großen Veranstaltungen. Dann verlassen regelmäßig Lastwagen den Betrieb in Freetz. Mal geht es zu einem Stadtfest, mal zu einer Filmpremiere, mal zum Hamburger Dom oder zu einem Festival.

Kaum ist der Sommer vorbei, richtet sich der Blick schon auf die besinnliche Zeit. Vor allem die Weihnachtszeit hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Standbein entwickelt. Während viele an Glühwein, Lichterketten und festlich geschmückte Buden denken, beginnt für Horst, Franziska und ihr Team die Arbeit schon Wochen zuvor. Zahlreiche Weihnachtsmärkte werden von Freetz aus mit Pflanzen und Dekoration ausgestattet. Inzwischen macht dieser Bereich rund die Hälfte des gesamten Geschäfts aus – eine Entwicklung, die Horst so selbst nie erwartet hätte.

Dass all das heute möglich ist, liegt nicht nur an Horst.

Eine wichtige Rolle spielt Franziska. Während Horst häufig unterwegs ist, Lieferanten besucht oder Pflanzen auswählt, sorgt sie dafür, dass im Hintergrund vieles zusammenläuft. Sie organisiert das Büro, plant Touren und koordiniert Abläufe. Und wenn es darauf ankommt, steigt sie selbst in einen der großen Sattelzüge.

Unterstützt werden beide von einem eingespielten Team. Ob Pflanzenpflege, Be- und Entladen der Lastwagen oder Auf- und Abbau bei Veranstaltungen – gerade in der Hochsaison muss jeder Handgriff sitzen.

Irgendwann lenke ich das Gespräch zurück zu meiner eigentlichen Frage. „Und was machst du heute den ganzen Tag?“

Horst muss lachen. „Mittlerweile bin ich der große Kontrolleur.“ Sein Tag beginnt meist im Betrieb in Freetz. Bevor Lastwagen beladen werden, macht er seinen Rundgang durch die Gärtnerei. Er schaut sich jede Pflanze genau an.

„Ich gucke, ob es meinen kleinen Mädchen gut geht“, sagt er schmunzelnd. Mit den „kleinen Mädchen“, meint er seine Palmen. 

Als ich mich verabschiede, sitzt Horst noch immer unter der Palme, unter der unser Gespräch begonnen hat. Eigentlich wollte ich erfahren, wie der Alltag eines Palmenverleihers aussieht. Stattdessen habe ich einen Menschen erlebt, der seine Geschichte mit viel Humor erzählt und dessen Berufsleben von Neugier, Mut und einer gehörigen Portion Improvisation geprägt wurde.

Bevor ich mich auf den Heimweg mache, denke ich noch einmal an einen Satz zurück, den Horst während unseres Gesprächs ganz beiläufig gesagt hat.

„Man muss sich einfach trauen. Man kann vieles lernen.“

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