Die Eltern am Spielfeldrand – die, die immer da sind

Wenn die Flutlichter angehen, beginnt für die Spieler das Spiel. Für viele Eltern hat es schon lange vorher begonnen.

Wer am Spielfeldrand steht, sieht nur einen Teil der Geschichte.

Ich kenne diesen Blick seit mehr als zehn Jahren. Seit meine Söhne mit dem Fußball angefangen haben, habe ich unzählige Stunden an Fußballplätzen verbracht. Inzwischen kenne ich viele Spielfelder – nicht nur im Landkreis, sondern auch weit darüber hinaus.

Und wenn ich heute am Spielfeldrand stehe, sehe ich längst nicht mehr nur die Spieler.

Ich sehe die Eltern.

Diejenigen, die zweimal, manchmal sogar dreimal in der Woche ihre Kinder zum Training fahren. Die nach der Arbeit noch schnell etwas zu essen machen, die Sporttasche packen – oder zumindest durchaus mal genervt daran erinnern. Dann heißt es: Schuhe an, Tasche ins Auto und los.

Man wartet, während trainiert wird. Man nutzt die Zeit vielleicht für einen Einkauf, sitzt im Auto, führt Gespräche mit anderen Eltern, fährt wieder weg oder steht einfach am Rand des Platzes. Und irgendwann geht es wieder nach Hause.

Und dann ist Wochenende.

Heimspiel oder Auswärtsspiel. Früh aufstehen, Tasche ins Auto, manchmal eine längere Fahrt. Fahrgemeinschaften organisieren, andere Kinder mitnehmen, am Platz stehen, anfeuern und anschließend wieder nach Hause fahren.

Das Ganze bei Wind und Wetter. Das klingt nach Alltag. Und irgendwie ist es das auch.

Aber wenn man einmal zusammenrechnet, wie viele Stunden Eltern über Jahre dafür investieren, wird deutlich, was dahintersteckt.

Fußball ist für Kinder und Jugendliche Mannschaftssport. Für viele Eltern bedeutet er deshalb ebenfalls ein Stück Mannschaftsleben. Wie sehr, das habe ich gerade  wieder erlebt.

Es standen wichtige Spiele meiner Söhne an. Flutlicht, ein voller Platz, Anspannung auf dem Rasen – und drumherum wieder viele Eltern, die ihren Teil dazu beitragen, dass aus einem Fußballspiel mehr wird als nur die Spielzeit auf dem Platz.

Wieder wurde ein kleines Buffet aufgebaut, Getränke wurden angeboten, alles gegen eine Spende. Viele bringen etwas mit, der Nächste hilft beim Aufbau und/oder steht hinter dem improvisierten Verkauf.

Für das Außen, mag es nicht besonders groß erscheinen, aber das ist es.

Während die Jungs auf dem Platz um jeden Ball kämpfen, stehen am Rand Eltern, die mitfiebern, sich unterhalten, Kuchen oder andere Kleinigkeiten reichen und dafür sorgen, dass sich ein Fußballabend ein bisschen wie ein gemeinsames Fest anfühlt.

Auch das gehört für mich zu den Eltern am Spielfeldrand.

Nicht nur fahren.
Nicht nur warten.
Nicht nur zuschauen.

Mitmachen. Anpacken. Dabeisein.

Und oft geschieht all das so selbstverständlich, dass kaum jemand darüber nachdenkt, wie viele Hände eigentlich nötig sind, damit so ein Abend funktioniert. Es ist einfach selbstverständlich.

Über zehn Jahre Fußball haben mir gezeigt, wie viel Eltern für den Sport ihrer Kinder leisten. Nicht nur finanziell. Vor allem mit ihrer Zeit. Ich bin da sicher kein herausragendes Beispiel. Aber ich habe in all den Jahren viele Eltern kennengelernt, deren Kalender vom Fußball dominiert wird.

Zeit, die sie nach der Arbeit aufbringen.
Zeit, die an den Wochenenden auf dem Fußballplatz bleibt.
Zeit, die sie investieren, weil ihre Kinder Freude am Fußball haben.

Natürlich gibt es auch die emotionalen Momente am Spielfeldrand. Man fiebert mit, ärgert sich über eine Niederlage, freut sich über ein Tor und leidet manchmal mit, wenn es nicht läuft. Und manchmal trägt man noch immer die Hoffnung in sich, endlich dieses Abseits zu verstehen.

Aber viel häufiger sehe ich etwas anderes: Eltern, die da sind. Immer wieder.

Bei Wind und Regen. Bei Kälte und manchmal brütender Hitze. Auf dem heimischen Platz genauso wie irgendwo auf einem fremden Sportplatz.

Sie stehen am Rand und schauen ihren Kindern beim Fußballspielen zu.

Für die meisten Eltern ist es selbstverständlich, dass sie ihre Kinder bei der Ausübung ihres Hobbys unterstützen. Und das ist auch gut so. Denn irgendwann sind die Kinder groß.

Irgendwann fahren sie selbst zum Training. Irgendwann brauchen sie niemanden mehr, der sie zum Spiel bringt. Irgendwann stehen die Eltern vielleicht nicht mehr jedes Wochenende am Spielfeldrand.

Bis dahin aber fahren sie.

Zweimal in der Woche.
Dreimal in der Woche.
Und am Wochenende sowieso.

Und ich glaube, es sind genau diese vielen kleinen, manchmal anstrengenden und manchmal ganz wunderbaren Fahrten, aus denen irgendwann Erinnerungen werden.

Erinnerungen an frühe Wochenendmorgen. An volle Autos und vergessene Trinkflaschen. An nasse Fußballschuhe im Kofferraum. An Gespräche auf der Fahrt. An Siege und Niederlagen. An Mannschaftskabinen, Sportplätze und Vereinsheime.

Und irgendwann wird einem vielleicht bewusst, dass diese Zeit, die manchmal im Alltag so selbstverständlich erscheint, gar nicht selbstverständlich ist.

Man kann sie nicht zurückholen.

Vielleicht kommt irgendwann ein wehmütiger Blick zurück.

Wir bringen unsere Kinder zum Fußball.

Und ganz nebenbei sammeln wir selbst Erinnerungen.



 

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